Gefahren für den Boden

In Österreich sind 25 Prozent der Böden gefährdet. Täglich gehen große Flächen durch Erosion verloren, werden versiegelt oder durch Schadstoffeinträge in ihrer Funktion nachhaltig beeinträchtigt. Die intensive (Über-)Nutzung verursacht zahlreiche Schädigungen der natürlichen Bodenfunktionen und eine nachhaltige Erschöpfung des natürlichen Bodenpotenzials (Bodendegradation). Überbaute und versiegelte Böden sind dauerhaft und unwiederbringlich gestört und können nicht mehr in ihre ursprüngliche „Lebendigkeit“ zurückgeführt werden.

Versiegelung

Ein Boden gilt dann als versiegelt, wenn er mit festem Material (z. B. Straßen oder Gebäuden) wasserundurchlässig abgedeckt ist. Flächen können einen unterschiedlichen Versiegelungsgrad aufweisen. Ein asphaltierter Parkplatz ist zu 100 Prozent versiegelt, ein gepflasterter Bodenbelag mit breiten Fugen zu ca. 80 Prozent. Nicht zu vergessen sind unterirdische Versiegelungen, wie Tunnel, Leitungen oder Tiefgaragen.

Die Bodenversiegelung hat vielfältige Folgen:

  • Verlust des Lebensraums für Tiere und Pflanzen
  • Verlust der Bodenfruchtbarkeit
  • Verlust der Produktionsfunktion
  • Verlust der Bodenfunktionen wie Filter- oder Pufferwirkung
  • Unterbrechung des Luftaustausches
  • erhöhtes Hochwasserrisiko durch die Reduktion* bzw. den Verlust der Versickerungsfähigkeit, den damit einhergehenden Oberflächenabfluss und die erhöhte Belastung der Kanalisation
  • geringere Verdunstung und Abnahme der Luftfeuchtigkeit
  • stärkere Erwärmung

Erosion

Als „Erosion“ bezeichnet man den Verlust und/oder die Verlagerung und Abtragung von Bodenmaterial durch Wasser und Wind. Dementsprechend wird zwischen Winderosion und Wassererosion differenziert. Besonders gefährdet sind Böden mit geringer oder ohne Vegetationsdecke sowie Böden in (steilerer) Hanglage. Zudem bedeuten weniger Pflanzen auch ein geringeres Wurzelgeflecht, das für den Zusammenhalt des Bodens wesentlich ist.

Wassererosion wird durch Niederschlag und Wasserabfluss verursacht. Das abgetragene, meist nährstoffreichere, teilweise auch schadstoffbelastete Bodenmaterial wird großteils in Flüssen zu Seen und Meeren transportiert und dort abgelagert. Folgen davon sind die Eutrophierung (Nährstoffanreicherung) dieser Ökosysteme und deren Belastung mit Schadstoffen. Zudem bedeutet dies den Verlust von Oberboden und Nährstoffen am Erosionsort. Teilweise sind Verschlämmungen des Oberbodens ohne wesentlichen Bodenverlust und die Überdeckung von Böden an Hängen oder in Tälern die Folgen der Erosion.

Winderosion ist besonders in trockenen Gebieten und bei Böden mit fehlender oder nur gering entwickelter Vegetationsdecke verbreitet, z. B. bei abgeernteten Äckern. Durch den Wind werden Teile des Oberbodens abgetragen. Es können sich Dünen bilden oder das erodierte Material lagert sich gleichmäßig auf anderen Böden ab. Das Roden von Hecken oder Bäumen fördert die Winderosion.

Verunreinigung

Der Boden wird durch menschliche Aktivitäten verunreinigt. Die von Verkehr, Industrie und Haushalten verursachten Abgase lagern sich unter anderem auf der Erdoberfläche ab (Deposition) und gelangen so auch in die Böden. In der konventionellen Landwirtschaft werden synthetische Dünger und/oder synthetische Pestizide und Herbizide eingesetzt, welche in den Boden gelangen, diesen belasten und die natürlichen Kreisläufe und Funktionen stören. Obwohl Böden über eine Pufferfunktion verfügen, ist das Aufnahmepotenzial für Schadstoffe nicht unendlich.
Wenn der Boden keine weiteren Schadstoffe mehr binden kann, gibt er sie wieder ab. Die Schadstoffe gelangen in das Grundwasser und über Pflanzen in die Nahrungskette des Menschen. Oft wird dies erst spät erkannt, weil dieser Prozess schleichend verläuft. Besonders nachteilig wirken sich Schwermetalle und verschiedene organische Schadstoffe, wie Dioxine, auf die Umwelt und damit auch den Menschen aus. Die Auswirkungen sind je nach Schadstoff und Konzentration sehr unterschiedlich. Ihre Beseitigung ist allgemein jedoch ein sehr schwieriges und teures Unterfangen.

Verdichtung

Physikalische Einwirkungen auf den Boden in Form von physischer Belastung durch Druck, Absenkung und Deformation des Bodengefüges führen in der Regel zu einer Reduktion des Porenvolumens des Bodens. Beeinträchtigungen der Lebensbedingungen für Bodenorganismen und Pflanzen sind die Folgen – bis hin zur völligen Zerstörung des Lebensraums Boden bei sehr starken, weitreichenden Verdichtungen.
Ursachen für Verdichtungen sind mechanische Belastungen durch land- und forstwirtschaftliche Maschinen, Baufahrzeuge, Überflutungen und Überschwemmungen oder der Abbau von organischen Oberböden.

Querverweis

Mehr über die Funktionen von Boden erfahren Sie unter Thema 2 „Der Boden und seine Funktionen“.

Tipp

Damit die SchülerInnen ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Boden nötig ist, um ihren Lebensstil zu ermöglichen, lassen Sie sie online ihren ökologischen Fußabdruck ausrechnen.

https://www.mein-fussabdruck.at/

https://www.footprintnetwork.org/

Tipp

Um den Schülerinnen und Schülern eine konkrete Vorstellung davon zu vermitteln, wie viel Fläche täglich verbraucht wird, lassen Sie sie die Turnhalle vermessen und daraus errechnen, wie vielen turnhallengroßen Flächen die tägliche Flächeninanspruchnahme entspricht.

Weiterführende Information

Auf 52 Seiten widmet sich die Oberösterreichische Akademie für Umwelt und Natur dem „Blickpunkt Boden“ und stellt damit Materialien für einen fächerübergreifenden Unterricht zur Verfügung. Das Kapitel „Bodengefährdung und Bodenschutz“ behandelt die Themen Bodenerosion, -verdichtung, -versiegelung und auch den Eintrag unerwünschter Stoffe. Enthalten sind auch viele Arbeitsblätter, die zur aktiven Auseinandersetzung mit den Themen animieren.

https://www.land-oberoesterreich.gv.at/files/publikationen/uak_blickpunkt_boden.pdf

Weiterführende Information

Auf der Website des Umweltbundesamtes finden Sie eine Zusammenstellung von Lernmaterialien zum Thema Bodenschutz in Form von Postern und Broschüren (auch in verschiedenen europäischen Sprachen). Eine Liste mit Links zu Filmmaterialien rundet das Angebot ab.

https://www.umweltbundesamt.at/boden

Weiterführende Information

Saurer Regen hat einen pH-Wert kleiner als 5,5 und ist somit saurer als normaler Regen. Saurer Regen schädigt die Umwelt und ist die Hauptursache des Waldsterbens. Verantwortlich für die Entstehung sind Abgase (Stickstoffmonoxid, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid), die bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen (Kohle, Heizöl) in die Luft gelangen. Quelle: Uni Bayreuth

AHA

Fakten zum Flächenverbrauch
2,2 m² gehen in Österreich pro Sekunde durch Verbauung für immer verloren. Täglich wird in Österreich ein Bauernhof mit einer Fläche von rund 200.000 m² (20 ha) verbaut. Also umgerechnet 28 Fußballfelder. Pro Jahr sind das 7.000 ha oder rd. 10.000 Fußballfelder. In 20 Jahren sind das 140.000 ha in Österreich, was der gesamten Ackerfläche des Burgenlands entspricht.

In den letzten 60 Jahren wurden rund 300.000 ha Böden versiegelt, was mehr als der gesamten Ackerfläche Oberösterreichs entspricht. 1950 standen in Österreich 2.400 m² Ackerfläche/Kopf zur Verfügung – heute nur mehr 1.600 m²/Kopf.

0,5 Prozent der Böden werden im Jahr in Österreich versiegelt. In 200 Jahren wäre damit die gesamte Ackerfläche Österreichs verbaut. In Deutschland werden nur 0,25 Prozent der Agrarflächen verbaut.

AHA

Wie viel Prozent der Fläche in Österreich ist versiegelt?
Im Jahr 2012 waren 2,7 Prozent der Fläche Österreichs versiegelt. 17,6 Prozent des Dauersiedlungsraumes (das sind 37,3 Prozent der Landesfläche oder 31.288 km²) sind in Österreich „verbraucht“. Von den als Siedlungs- und Verkehrsraum verfügbaren Flächen sind bereits 56 Prozent versiegelt (2014).

Wie viel Quadratmeter Boden werden durchschnittlich in Österreich pro Tag/Monat/Jahr verbraucht?
Die Flächeninanspruchnahme lag in Österreich im Jahr 2014 bei 19,1 ha/Tag. Die jährliche Versiegelung in Österreich beträgt 50 bis 100 km². Das entspricht der Fläche von Salzburg oder Linz.

Wie viel Hektar Boden wird durchschnittlich benötigt, um die Produkte, die eine Person in Europa im Jahr konsumiert, zu produzieren?
1,3 Hektar Boden pro Person

Wie lange benötigt ein weggewaschener bzw. erodierter Boden, um sich um 10 cm zu erneuern?
Dieser Prozess dauert 2.000 Jahre.

Unterrichtsmaterialien

Möglichkeiten, das Thema auch fächerübergreifend zu vertiefen

Als Vertiefung können Sie mit den Schülerinnen und Schülern folgende Fragen bearbeiten:

  • Welche Formen der Bodenerosion gibt es?
  • Wen betreffen die Folgen der Bodenerosion? Hat die Bodenerosion auch Auswirkungen auf den Menschen?
  • Wie kann man schadstoffbelastete Böden erkennen?
  • Wie geht man mit verunreinigen Böden um? Was kann man tun, um weitere Verunreinigungen zu vermeiden?
  • Wie kann man der zunehmenden Bodenverdichtung und Bodenversiegelung entgegenwirken? Wie können die Schülerinnen und Schüler dazu beitragen, dass möglichst wenig Boden versiegelt und verdichtet wird?
  • Welchen Gefahren sind Böden in Städten ausgesetzt? Welche Gefahren bestehen eher in ländlichen Räumen?
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