Der Regenwurm

Der Regenwurm gehört zu den bekanntesten Bodenlebewesen und ist auf der ganzen Erde verbreitet. Weltweit gibt es ca. 3.000 Regen-wurmarten (Lumbriciden). In nahezu allen feuchten Ländern kommen sie überaus zahlreich vor. Bei intakten, landwirtschaftlich genutzten Böden setzen Regenwürmer das Zwei-hundertfache ihres Körpergewichtes im Jahr an Boden um und produzieren so wertvollen Regenwurmhumus.

Bedeutung für den Menschen

Regenwürmer sind maßgeblich an der Bodenbildung und Aufbereitung organischer Substanzen im Boden beteiligt. Während der Verdauung vermischen Regenwürmer Tonteilchen mit Humusteilchen zu einer fruchtbaren Mischung. Die Erde enthält, nachdem sie den Regenwurm (durch dessen Verdauungstrakt) passiert hat, ein Mehrfaches an Nährstoffen, wie Kalk, Magnesium und Stickstoff. Durch die Aktivitäten des Regenwurms werden die Nährstoffe auch für Pflanzen verfügbar gemacht. Außerdem bauen Regenwürmer, indem sie graben, riesige Gänge, die einerseits der Sauerstoffversorgung im Boden dienen und andererseits zahlreichen Bodenlebewesen als Lebensraum zur Verfügung stehen. Somit sorgen Regenwürmer für Bodenfruchtbarkeit, sichern die landwirtschaftliche Produktion und folglich auch die Ernährung des Menschen.

Vorkommen

Je nachdem welcher Teil des Bodens besiedelt wird, lassen sich drei Gruppen von Regenwürmern unterscheiden.

  • Oberflächenwürmer sind meist klein, haben eine dunkle Farbe und leben in nährstoffreichen Böden mit viel organischem Material. Ein Vertreter ist der Kompostwurm Eisenia fetida.
  • Oberbodenwürmer leben in circa 20 cm Tiefe und kommen am häufigsten vor. Sie setzen viel Boden um und graben flache horizontale Gangsysteme.
  • Unterbodenwürmer leben in dauerhaften Wohnröhren, die bis zu drei Meter tief sind, und suchen nur zur Nahrungssuche die oberen Bodenschichten auf.

Aufbau und Fortpflanzung

Regenwürmer gehören zur Gruppe der Ringelwürmer. Kennzeichnend ist, dass ihr Körper aus vielen, fast gleichartigen Segmenten aufgebaut ist. Regenwürmer sind Zwitter und produzieren sowohl Samen- als auch Eizellen. Die Samenzellen werden bei der Paarung ausgetauscht und in Samentaschen gespeichert. Danach geben beide Regenwürmer ihre Eizellen nach außen ab und befruchten sie. Die Eier werden dann in einen Kokon aus einem schleimigen Sekret gehüllt und in die Erde gelegt. Hier wachsen die jungen Regenwürmer heran, bis sie aus ihren Kokons schlüpfen.

Fortbewegung

Regenwürmer bewegen sich mithilfe eines Hautmuskelschlauchs, der aus Längs- und Ringmuskulatur besteht, und mithilfe von Borsten kriechend vorwärts. Die Borsten dienen der Verankerung, die Fortbewegung wird durch Muskelkontraktionen, die sich wellenförmig durch den Wurm fortsetzen, herbeigeführt. Bei Anspannung der Längsmuskultur und gleichzeitiger Entspannung der Ringmuskulatur verdickt sich ein Teil des Regenwurms und wird somit verkürzt. Ist umgekehrt die Ringmuskulatur angespannt und die Längsmuskulatur entspannt, wird der Regenwurm länger.

Nahrung

Der Regenwurm ist ein Allesfresser. Er ernährt sich von Abfallprodukten der Natur und frisst sich durch das Erdreich. Die aufgenommene Nahrung wird vom Schlund in den Muskelmagen transportiert und dort mithilfe von Staubkörnern und starken Muskeln zerrieben. Drüsen sondern einen Verdauungssaft ab, der beim Zersetzen der Nahrung unterstützt. Vom Magen aus gelangt die Nahrung in den Darm, wo sie verdaut wird. Abfallstoffe verlassen den Körper über Ausscheidungsorgane, von denen sich je zwei an jedem Segment befinden. Erde und Sand durchlaufen den Wurm unverdaut.

Atmung

Regenwürmer sind nicht mit Atmungsorganen, wie Kiemen oder Lungen, ausgestattet, sondern nehmen Sauerstoff aus der Luft über ihre Haut auf. Diese Form der Atmung nennt sich Hautatmung (Perspiration). Zudem können sie Sauerstoff in gelöster Form aus dem Wasser aufnehmen und in sauerstoffreichem, kühlem Wasser einige Tage bis Wochen überleben.

Sinneswahrnehmungen

  • Geruch: Regenwürmer können Gerüche erkennen. Meistens nehmen sie diese jedoch erst bei direktem Kontakt mit dem Geruchsträger wahr.
  • Hell-Dunkel-Wahrnehmung: Regenwürmer sind mittels Lichtsinneszellen in der Haut zur Hell-Dunkel-Wahrnehmung fähig und reagieren auf unterschiedliche Lichtspektren verschieden stark. Rotlicht nehmen sie nicht wahr, wohingegen sie auf UV-Licht besonders empfindlich reagieren und sich in ihre Wohnröhre verkriechen. Regenwürmer haben, wie viele andere Bodentiere, keine Augen.
  • Gehör: Regenwürmer besitzen keinen Gehörsinn.
  • Tasten: Regenwürmer haben einen stark ausgeprägten „Tastsinn“ und reagieren auf Berührungsreize entsprechend empfindlich.
Weiterführende Information

Filmtipp: „Regenwürmer“ Westdeutscher Rundfunk Köln, Sendung mit der Maus (ca. sieben Minuten)

Weiterführende Information

Umfangreiche Informationen zum Regenwurm wurden in dieser Schweizer Regenwurmbroschüre zusammengetragen.

AHA

Warum heißt der Regenwurm „Regenwurm“ und nicht „Bodenwurm“?
Der Name „Regenwurm“ kommt vermutlich daher, dass Regenwürmer besonders nach starken Niederschlägen sehr oft in größerer Zahl auf der Bodenoberfläche, auf Wegen und Straßen feststellbar sind.

Wie viele Regenwürmer leben in einem Kubikmeter gesunder Erde?
Es leben bis zu 500 Regenwürmer pro Kubikmeter Erde.

AHA

Wusstest du schon, dass …

    …Regenwürmer im Labor älter als zehn Jahre werden können? Unter normalen Freilandbedingungen erreichen sie nur ein Durchschnittsalter von zwei Jahren.
    …europäische Regenwürmer zur Verbesserung der Bodenqualität z. B. nach Neuseeland exportiert werden?

    …noch immer nicht geklärt ist, wieso Regenwürmer bei Regen an die Erdoberfläche kommen? Eine verbreitete Annahme ist, dass Regenwürmer bei Regen in ihren Wohnröhren ertrinken, das stimmt aber nicht. Die Regenwürmer können in sauerstoffreichem Wasser einige Tage bis Wochen überleben.

Wie glaubst du, schafft es der Regenwurm, in seiner Wohnröhre senkrecht aufzusteigen?
Der Regenwurm schafft es, senkrecht in seiner Wohnröhre aufzusteigen, weil sich an seinem Körper Borsten befinden, mit denen er sich an den „Seitenwänden“ seiner Wohnröhre verankern kann.

Welche Körperlänge, glaubst du, erreicht der australische Riesenregenwurm (Megascolides australis)?
Er erreicht eine Körperlänge von bis zu drei Metern und hat über 1.000 Segmente. Er kann 500 g schwer und bis zu 2,5 cm dick werden.

Unterrichtsmaterialien

Der Regenwurm und seine Sinne – Teilversuch „Lichteinfluss hell/dunkel“

Mittels mehrerer kleiner Versuche erforschen die SchülerInnen die Sinneswahrnehmungen des Regenwurms. Zudem erforschen sie den Bewegungsablauf des Regenwurms und ergründen das Verhältnis des Regenwurms zu Wasser.

Der Regenwurm und seine Sinne – Teilversuch „Einfluss von Flüssigkeit“

Mittels mehrerer kleiner Versuche erforschen die SchülerInnen die Sinneswahrnehmungen des Regenwurms. Zudem erforschen sie den Bewegungsablauf des Regenwurms und ergründen das Verhältnis des Regenwurms zu Wasser.

Der Regenwurm und seine Sinne – Teilversuch „Geruchstest: Können Regenwürmer riechen und schmecken?“

Mittels mehrerer kleiner Versuche erforschen die SchülerInnen die Sinneswahrnehmungen des Regenwurms. Zudem erforschen sie den Bewegungsablauf des Regenwurms und ergründen das Verhältnis des Regenwurms zu Wasser

Regenwurmwanderglas

Das Regenwurmwanderglas ermöglicht den Schülerinnen und Schülern die Erforschung des Regenwurms in Bezug auf seine Lebensgewohnheiten und seine Bedeutung für die Bodenentwicklung.

Der Regenwurm und seine Sinne – Teilversuch „Wie kriecht der Regenwurm?“

Mittels mehrerer kleiner Versuche erforschen die SchülerInnen die Sinneswahrnehmungen des Regenwurms. Zudem erforschen sie den Bewegungsablauf des Regenwurms und ergründen das Verhältnis des Regenwurms zu Wasser.

Möglichkeiten, das Thema auch fächerübergreifend zu vertiefen

Als Vertiefung können Sie mit den Schülerinnen und Schülern folgende Fragen bearbeiten:

  • Welchen Gefahren sind Regenwürmer
    ausgesetzt? Was schadet Regenwürmern?
  • Welche Bedeutung haben Regenwürmer
    für die Landwirtschaft?
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